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Riesling 2019 - ein Sommermärchen

Riesling 2019 - ein Sommermärchen

Der Jahrgang 2019 liefert in der Spitze märchenhafte Rieslinge

Wir sind uns mit der Meinung der Fachpresse sowie unserer Händlerkollegen einig, dass 2019 ein herausragender Jahrgang ist, der viele großartige Weine hervorgebracht hat. Noch nie durften wir so viele eindrucksvolle Rieslinge probieren, die mit idealer Reife, Feinheit und frischer Säure in perfekter Kombination bereits in ihrer Jugend so viel Freude und Faszination bereiteten und bereiten.

Da die üblichen Winzerbesuche im März und April Corona bedingt ausfielen, verkosteten wir zumeist Fassproben im Home Office. Was sich hierbei abzeichnete wurde bei den später folgenden Proben an den Weingütern bestätigt. 2019 ist ein Jahrgang, der die Tugenden eines warmen Jahrgangs mit den Merkmalen eines eher kühlen Jahrgangs vereint. Es sind Weine mit Klarheit und Präzision mit intensiven Aromen, sehr guter Struktur und begeisternder Finesse.

Es war ein erneut ungewöhnlich warmes Jahr mit einem von längeren Hitzeperioden gezeichneten Sommer, der erst ab Ende August kühlere Phasen mit teilweise ergiebigem Regen brachte. Am Ende konnte man zumeist sehr sauberes Lesegut ernten. Da es in 2019 fast keine Fäulnis gab, konnten viele Beeren zu perfekt gereiften Rosinen vertrocknen und so die Basis für herausragende fruchtige und edelsüße Weine liefern. Ganz vorne stehen für uns aber die trockenen Großen Gewächse unserer Spitzenproduzenten, die pur und transparent ihre Herkunft abbilden. Bemerkenswert ist dabei, dass die Alkoholwerte erfreulicherweise mit zumeist 12- 13% niedrig ausfallen.

 

Weingut Battenfeld-Spanier/ Weingut Kühling-Gillot
Rheinhessen

Die durchaus schwierige und ungemein spannende Aufgabe, die Weine zweier Güter in unterschiedlichen Regionen, Wonnegau und Roter Hang, zu vinifizieren und deren jeweilige eigene Identität auf höchstem qualitativen Level zu bewahren, hat Oliver Spanier wieder mit Bravour gelöst. Es sind glasklare Rieslinge mit Präzision, Energie und dem Ausdruck ihres Terroir. Rigorose Balance auf der Riesling- bzw. Rasierklinge. Jeder Wein ist hier eine individuelle Persönlichkeit. Rieslingfans sollten es hier auf keinen Fall versäumen, die Weine von beiden Gütern zu probieren. Sie gehören zum Besten was trockene Rieslinge in Deutschland bieten können: Filigrane, tänzerische Weine voller Finesse vom Schiefer des Roten Hangs (Kühling Gillot) und geradlinig, puristisch und präzise Weine vom Kalkstein (Battenfeld-Spanier).

Hier geht es zu den Weinen von Battenfeld-Spanier und Kühling-Gillot

 

Neu im Sortiment:
Weingut Wagner-Stempel
Rheinhessen

Wir freuen uns, die Weine von Wagner-Stempel neu in unserem Sortiment zu haben. Die Weine von Daniel Wagner überzeugen uns bereits seit einiger Zeit sehr. Das Weingut ist in einem oft etwas vergessenen Teil Rheinhessens an der Schwelle zwischen dem eher flachen Rheinhessen und der Nahe gelegen, wo die Landschaft größeren Anhöhen gebildet hat und die eine oder andere steilere Lage der Region einen eigenen Charakter verleiht. Die Landschaft ist vulkanischen Ursprungs mit Heidelandschaft, alten Steinbrüchen, unberührten Bachläufen und überwucherten Felsmauern. Im Vergleich zum vorderen Rheinhessen oder dem Wonnegau wachsen die Reben hier auf Böden, die eher jenen der Nahe ähnlich sind. Daniel besitzt mit Heerkretz GG und Höllberg GG zwei unterschiedliche Lagen in dieser Zone und (durch Tausch) zwei Hektar im Binger Scharlachberg. Der Scharlachberg ist ein gewaltiger Quarzitfels, dem die Südausrichtung und die Wärme des Rheintals sehr gut bekommt und so für perfekte Reife sorgt. Seine Höhe und die kühlen Fallwinde des benachbarten Hunsrücks sorgen für Bedingungen von denen der Riesling besonders profitiert. Mineralische Züge und Salzigkeit verbunden mit Frische und raffiniertem Säurespiel sind seine Stärken. Der Höllberg GG ist die wärmste Lage in Siefersheim. Sie liegt windgeschützt hinter zahlreichen Trockenmauern und ist von verbuschten Teilstücken durchzogen. Die südliche Ausrichtung und steindurchsetzte Böden ergeben kraftvolle, dichte Weine mit ordentlich Frucht und Schmelz. Heerkretz GG ist vulkanischer Steilabbruch im Süden von Siefersheim und der Primus unter Daniel`s Toplagen. Schroff, extrem steil und dem Wetter aus westlicher Richtung völlig schutzlos ausgesetzt. Die gesamte Lage ist sehr zerklüftet mit Geröllhalden und Steinbrüchen und exponierten windoffenen Hangteilen. Besonders nachts ist der Kaltlufteinfluss wirkungsvoll. Diese Umstände verleihen den Weinen einen rassigen Charakter. Vielschichtig im Duft mit animierender Säure sind sie kraftvoll und konzentriert.

Ähnlich wie bei den Kollegen Wittmann und Spanier gibt es auch hier außergewöhnliche Weine aus Ersten Lagen. Einen haben wir ausgesucht dessen komplexe Aromatik und stringente Stilistik und imponiert haben: Der Fürfeld Riesling Metaphyr. Die Reben dieser Parzelle stehen auf stark von Eisenoxyd gefärbtem Oberboden mit Vulkangestein im Untergrund. Pfirsich- und Aprikosenduft und Zitrus mischen sich mit Kräutern wie Liebstöckel und Thymian. Komplett trocken mit frischer vitaler Säure und feiner Mineralik ist der Fürfeld ein schnörkelloser Rieslingtyp, geradlinig mit feiner Würze und erstaunlicher Länge.

Hier geht es zu den Weinen von Wagner-Stempel

 

Weingut Wittmann
Rheinhessen

Nach einer mehr als 15 jährigen Zusammenarbeit fällt  in der Rückschau die Aussage leicht, Philipp Wittmann als einen der zentralen Promotoren und qualitativen Konstanten in der „modernen“ Epoche - also quasi mit Entstehung der Großen Gewächse in den frühen 2000er Jahren - des deutschen Rieslings zu sehen. Seine permanente Weiterentwicklung, stilistisch und qualitativ - gipfelt nun in den Meisterwerken des Jahrgangs 2019. Seine womöglich bisher beste Kollektion.

Die Aulerde GG ist die wärmste Lage bei Wittmann, im frühen Mittelalter erstmals erwähnt. Die Böden bestehen aus Tonmergel mit Löß und wenig Kalk, im Untergrund Ton-Sandgemisch. Hier stehen die ältesten Reben des Weinguts. Aulerde ist volumig, saftig mit Schmelz und viel Extraktsüße, gleichzeitig lang mit Intensität die Spannung am Gaumen.

Kirchspiel GG steht auf Tonmergel und Kalksteinverwitterungslehm. Viel Frucht Pfirsisch, Aprikose mit Zitrusnoten und Kräuterwürze, schmeckt leicht reduktiv nach Feuerstein. Zeigt sich wie fast jedes Jahr spielerisch mit viel Eleganz und Frische. Die Böden des Brunnenhäuschens GG sind geprägt von Tonmergel und Kalkstein daneben eine Mischung mit roten Böden mit einem Anteil an Eisenoxid. Generös mit cremiger Mineralik, komplex, rassig mit fester Säurestruktur. Im Abgang wiederum salzige Mineralität, insgesamt ein beeindruckender, leider sehr knapper Wein. Die Böden im Morstein GG sind v.a. kalksteingeprägt. Tonmergel und Kalk auf Kalksteinfelsen gestalten den Untergrund. Das ergibt eine maskuline Mischung mit viel Druck und gleichzeitig viel Tiefe. Ein sehr ausdrucksvoller Wein mit Präzision und glasklarer Aromatik, der eine Weile braucht, um seine ganze Größe zu offenbaren.

Exemplarisch für die Kategorie „Erste Lagen“ sind der Gundersheimer Riesling - eine Traubenselektion aus der Lage Höllenbrand. Steinig mineralisch, dezente Fruchtsüße, straff und tiefgründig mit Zitrusnoten, subtiler Salzigkeit und wie alljährlich der  überragende Westhofener Riesling - eine Cuvée aus den jüngeren Trauben der besten GG Lagen –zu nennen. Letzer kommt mit viel Gelbfrucht, enorm druckvoll und aromatisch differenziert, daher. Er ist saftig mit rassiger Mineralik und so ein Prototyp eines trockenen Rieslings.

Hier geht es zu den Weinen vom Weingut Wittmann

 

Weingut Dönnhoff
Nahe

Helmut Dönnhoff, der Grand Seigneur des deutschen Rieslings, steht auf seinem legendären Felsentürmchen, ähnlich einer Burgzinne, mitten in der Großen Gewächs Lage Felsenberg, und schaut mit Wohlgefallen und auch Stolz auf einen Teil seines Weinbergbesitzes und Lebenswerks…, so geschehen vor kurzem bei einem Besuch auf dem Weingut und einer ausführlichen Tour durch seine drei bekanntesten Weinberge, Hermannshöhle, Felsenberg und Brücke. Beeindruckend - neben Natur, der grandiosen Landschaft der mittleren Nahe - die Präsenz und  sympathische Bescheidenheit des weltweit bekannten deutschen Winzers. Auch wenn er den Großteil der Verantwortung und Arbeit bereits seinem Sohn Cornelius übertragen hat, so ist er doch noch sehr präsent und aktiv im Weingut.

Bei Dönnhoff treffen, wie praktisch nirgendwo anders im Rieslingland Deutschland, so viele unterschiedliche Gegebenheiten und Terroirs auf engem Raum aufeinander. 2019 ist das prototypische Jahr, in dem der Riesling seine einzigartige Fähigkeit, das jeweilige Terroir zum Ausdruck zu bringen, ideal zeigen konnte und so diese Vielfalt und Unterschiedlichkeit besonders schmeckbar ist. Neben den alljährlich zuverlässig exzellenten bis überragenden trockenen QbA, dem Tonschiefer, den fruchtigen Kabinett Weinen aus Leistenberg und Klamm sowie den Spät-und Auslesen sowie der Beerenauslese von der Brücke und Hermannshöhle, stehen die Ersten Lagen Kahlenberg und Höllenpfad und besonders die Großen Gewächse nochmal heraus.

Hier geht es zu den Weinen von Cornelius und Helmut Dönnhoff

 

Weingut von Winning
Pfalz

Zu Recht genießen die Weine von Von Winning weltweit eine große Anerkennung, so dass die Topgewächse meist sehr schnell ausverkauft sind. Die, für deutsche Verhältnisse, eher ungewohnte Stilistik des Ausbaus in kleineren, wenn auch gebrauchten, Holzfässern von 300-500 Litern hat inzwischen viele Liebhaber gefunden. Die Weine zeigen sich meist schon im jungen Zustand sehr zugänglich und zeigen die Stärken der exquisiten Lagen der Mittelhaardt in komplexer Ausprägung. Wir hatten das Glück, noch einige der Topweine aus den Jahrgängen 2016-2018 (wenn auch in teilweise kleinsten Mengen) zugeteilt zu bekommen, darunter die gesuchten Lagen Kirchenstück, Langenmorgen und Jesuitengarten sowie eine Neuheit im von Winning Sortiment:

OZYETRA - eine Auslese der besten Fässer aus der Spitzenlage „Forster Pechstein“. Der Name steht für eine der gesuchtesten Delikatessen - den Ossietra Kaviar, ein Inbegriff für luxuriösen Genuss. OZYETRA blieb 2 Jahre auf der Hefe und wirkt dadurch komplexer und cremiger ohne seine Riesling Eigenschaften zu verlieren. Texturell kommt etwas Ähnlichkeit mit einem hochwertigen Chardonnay aus dem Burgund auf. Aber das vulkanische Terroir des Pechsteins bleibt spürbar und eine feine Mineralität durchzieht den Wein und hält lange am Gaumen. Mit Ozyetra  ist eine außergewöhnlich eigenständige Interpretation dieser berühmten Lage gelungen. Der 2019er Sauvignon blanc  II zeigt sich natürlich, ohne übertriebene Exotik, frisch und süffig. Geschmacklich eher dem klassischen Ideal eines Sauvignons der Loire(z.B. Sancerre) nahe, mit weniger aufdringlicher Fruchtigkeit, dafür floral, elegant und harmonisch.

Hier geht es zu den Weinen von Von Winning

 

Bürklin Wolf-Wachenheim
Pfalz

Bürklin Wolf ist eines der großen Weingüter in Deutschland. Privat geführt ist man im Besitz von weltberühmten Lagen in der Region Mittelhaardt- einem Sahnestück des deutschen Riesling Weinbaus. Der aus Italien stammende junge Kellermeister Nicola Libelli hat in den vergangenen Jahren den Weinen eine klare und schlankere Stilistik verliehen.Dabei werden die Weine unter Nutzung der hier existierenden großartigen Voraussetzungen (alter, temperaturkonstanter Keller, vielfältiger, riesiger Fundus an passenden Fasstypen und reiche Erfahrungen, die auf einer jahrzehntelangen Weinguts-Geschichte basieren) konsequent trocken ausgebaut. Mit einem Schuss Unbekümmertheit, ein wenig Tabubruch und Mut ohne sich in modischen Verspieltheiten zu verlieren, hat Nicola Bürklin`s  Stilistik neu ausgerichtet. Die Bandbreite großartiger Rieslinge ist riesig, und so wird es für uns in jedem Jahr notwendig, sich auf Weine, die uns besonders aufgefallen sind, zu beschränken. Im Jahr 2020 entschließt man sich neben den Guts-und Ortsweinen auch Premiers Crus (PC) und Grands Crus (GC) respektive Großen Gewächse des  Jahrgangs 2019 schon im Herbst frei zugeben. Das bedeutet, dass bei Bürklin Wolf eine der umfangreichsten Kollektionen großer trockener Rieslinge dieses außergewöhnlichen  Jahrgangs zur Verfügung steht – und Nicola Libelli hält den Jahrgang 2019 für den besten der jemals hier produziert wurde!

Neben dem Wissen um den bestmöglichen Umgang mit den Reben und Weinbergen spielt

nicht zuletzt auch das veränderte Klima eine wichtige Rolle. Es gab die  Möglichkeit, perfekt reife Trauben zum richtigen Zeitpunkt zu lesen, wobei die unter biodynamischen Bedingungen gewachsenen Reben bestmögliche Voraussetzung bieten. Nachdem man ca. 25-30% der Trauben in einer Vorlese entfernt hatte, führte dies bei den Großen Gewächsen zu extrem niedrigen Erträgen von ca. 25 hl/ha. 2019 ist einfach ein besonderer Jahrgang.

Wir sind nicht allein mit unserer Begeisterung. Bei Stephan Reinhardt, der bei Robert Parker für die deutschen Weine verantwortlich ist, reichen die Bewertungen unserer Auswahl von 92-100 Punkten (z.B.Langenmorgen 96-98PP, Pechstein 97-99PP und Kirchenstück mit 98-100PP).

Hier geht es zu den Weinen von Bürklin-Wolf

 

Weingut Egon Müller
Mosel

Egon Müller beschreibt 2019 als ein weiteres warmes und tendenziell zu trockenes Jahr, erst am 20. September drehte das Wetter schlagartig, es wurde warm und nass und Botrytis begann sich auszubreiten. Die Reife der Trauben schritt gut voran und am 30. September bei schönem Wetter begann man mit der Ernte. Von Anfang an konnte man edelfaule Trauben selektieren und Zucker und Säure waren in perfektem Verhältnis. Vom 6. Bis zum 8. Oktober war es regnerisch und die Lesemannschaften mussten öfters pausieren. Dann aber wurde es wieder schön und man erntete in Saarburg und im Braunfels Trauben für den „Scharzhof“. Ab dem 12. Oktober stiegen die Mostgewichte mit zunehmender Botrytis rasant an und der Fokus lag wieder auf den edelfaulen Beeren. Längerfristig waren die Wetteraussichten jedoch nicht gut und so hielt man das Tempo hoch, da Egon Müller bei weiterem Regen um die Qualität der Trauben fürchtete. Am 18. Oktober war die Ernte zu Ende, nach der generösen Ernte 2018 wieder ein Jahrgang mit Miniertrag (20 hl/ha), auch vom Charakter im Unterschied zu 2018 ist 2019 ein klassischer Botrytisjahrgang, dessen Charakteristik von der Spätlese aufwärts zum Tragen kommt, wohingegen der Scharzhof und die Kabinette weitestgehend Botrytis frei sind. Stilistisch zieht  Egon Müller einen Vergleich mit seinen 1999ern, ein überaus erfolgreicher Jahrgang für sein Weingut. Es ist schwer, sich der Magie dieser 2019er Kollektion zu entziehen, auch wenn die Preise nochmals deutlich angezogen haben. Angesichts dessen drängen sich die Le Gallais Weine von der Wiltinger Braune Kupp geradezu auf, die Ihren Geschwistern aus dem Scharzhofberg in keinster Weise nachstehen. Sie haben die Qual der Wahl!

Hier geht es zu den Weinen von Egon Müller